Grigorios Aggelidis

Zu alt? Warum das Alter allein nicht entscheidend sein darf

Wer in Niedersachsen im Rentenalter als Schöffe tätig werden will, hat es schwer. Starre Altersgrenzen, hier etwa bis maximal 70 Jahre, verhindern solche Tätigkeiten – deshalb setze ich mich für ihre Abschaffung ein.

Immer wieder erleben ältere Menschen im Alltag Diskriminierung aufgrund ihres Alters. Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat „eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage (...) aus dem Jahr 2015 (...) ergeben, dass Diskriminierung aufgrund des Lebensalters weit verbreitet ist: So gaben 15 Prozent der Befragten an, in den letzten 24 Monaten Diskriminierungserfahrungen aufgrund der Bewertung als „zu jung“ oder „zu alt“ gemacht zu haben.

Gleichzeitig wird in der Politik immer noch zu wenig über das „aktive Altern“ gesprochen. Denn ältere Menschen erfreuen sich heutzutage oft besserer Gesundheit. Dennoch werden sie vielfach als Risikogruppe wahrgenommen und ihre Kompetenz und Lebenserfahrung kaum berücksichtigt. Das müssen wir dringend ändern.

Denn genau diese Erfahrung älterer Menschen werden wir in Zukunft noch dringender brauchen. Der demographische Wandel wird in den kommenden Jahren dazu führen, dass in bestimmten Bereichen des Ehrenamts, zum Beispiel bei der Tätigkeit als Schöffe, bei der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk oder dem Deutschen Roten Kreuz, nicht mehr ausreichend Personal zur Verfügung stehen wird. Seniorinnen und Senioren wollen sich auch im Rentenalter oft noch engagieren und sind dazu vielfach auch noch fähig.

Als Freie Demokraten machen wir uns stark dafür, dass die Menschen in unserer Gesellschaft ihre individuellen Lebensentwürfe realisieren können – frei von Diskriminierung aufgrund von Ethnie, Geschlecht, sexueller Identität, Religionsangehörigkeit, Weltanschauung, körperlicher oder psychischer Eingeschränktheit UND eben auch dem Lebensalter. Doch gerade hier werden durch Altersgrenzen als alleiniges Abgrenzungskriterium ältere Menschen an einer aktiven Rolle in unserer Gesellschaft gehindert.

Mit einem Antrag im Bundestag setze ich mich dafür ein, dass starre Altershöchst- aber auch Altersmindestgrenzen überprüft und neugestaltet werden. Das betrifft die Besetzung öffentlicher Ämter, die Arbeitsmarktpolitik, Berufszulassungen und auch das Ehrenamt. Wenn bei verpflichtenden Überprüfungen lediglich das Alter, anstatt die kognitiven und technischen Fähigkeiten eines älteren Menschen ausschlaggebend sind, muss dies ebenfalls überprüft werden. Wichtig ist, dass wir hier eine gesellschaftliche Debatte anstoßen – damit auch ältere Menschen selbstbestimmt ihr Leben gestalten können und ihnen alle Möglichkeiten offenstehen.