Grigorios Aggelidis

Senioren: Wo bleibt die nationale Kraftanstrengung für einen besseren Schutz?

Das traurige Ergebnis einer Politik, die vulnerable Gruppen nicht ausreichend schützt, ist derzeit vielerorts zu sehen. Gerade die Menschen, die die Besuche am nötigsten hätten, müssen etwa in Pflegeheimen alleine bleiben. Ältere Menschen werden in die Isolation gezwungen. Das alleine ist schon schlimm genug. Fatal ist es deshalb, weil spätestens im Sommer ein Plan notwendig gewesen wäre, wie man einen besseren Schutz gewährleisten kann ohne dabei einen ähnlichen Lockdown wie jetzt für alle zu provozieren. Mit der vielfach beschworenen nationalen Kraftanstrengung hätte man sich darauf konzentrieren sollen, einen Schutzschirm für besonders gefährdete Menschen aufzuspannen Ja, das ist ein großer Teil der Bevölkerung; allein 850 000 Menschen leben in stationären Pflegeeinrichtungen.

Gerade für ältere Menschen ist die andauernde Einsamkeit aber ein ernsthaftes und auch inzwischen gesundheitliches Problem. Weihnachten alleine ist da nur die Spitze des Eisbergs. Deshalb hätten wir schon weit vorher für einen ausreichenden Schutz sorgen sollen, um den Zustand der Isolation nicht unnötig in die Länge zu ziehen.

Viele Statistiken deuten inzwischen daraufhin, dass ein Großteil der Sterbefälle Pflegeeinrichtungen zuzuordnen ist oder ältere Menschen betrifft. Mit massenhaften Schnelltests des Pflegepersonals, das bestätigen auch die Experten, hätte man die unkontrollierte Ausbreitung in Alten- und Pflegeheimen eindämmen können. Bereits vor Monaten haben wir als Freie Demokraten eine intelligente Teststrategie gefordert. Doch stattdessen geht etwa Bayern einen unsinnigen Alleingang mit Tests für alle Bürger.

Diese Woche erst, also mehrere Monate zu spät, sind erstmals FFP2-Masken an vulnerable Gruppen abgegeben worden. Um diese zu erhalten, müssen Kranke und Alte teilweise mit dem überfüllten ÖPNV zur Apotheke fahren. Warum wurde zum Beispiel nicht überlegt, für besonders Gefährdete Taxigutscheine auszugeben, damit sie nicht mit dem Bus fahren müssen? Auch exklusive Zeitfenster für den Einkauf wären eine Überlegung. Wir Freien Demokraten haben etwa beantragt, 1 Milliarde Euro zur Versorgung der vulnerablen Gruppen mit FFP2-Masken bereitzustellen.

Es wird Zeit, dass wir Risikogruppen besser schützen. Spätestens jetzt über Weihnachten sollten sich alle Verantwortlichen an die Arbeit machen und genau diese nationale Kraftanstrengung endlich umsetzen. Denn ansonsten wird sich die Isolation älterer Menschen weiter in die Länge ziehen. Die positiven Erfahrungen aus Tübingen sollten dringend berücksichtigt werden.

Denn ältere, pflegebedürftige Menschen brauchen eben nicht nur eine Versorgung, sondern auch Teilhabe und Selbstbestimmung. Von den Auswirkungen auf alle anderen, will ich hier gar nicht sprechen.

Auch beim Impfstoff zeigt sich aber schon, dass Deutschland die nationale Kraftanstrengung verpasst hat, die dringend notwendig wäre. Deutschland wird 7 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffs erhalten. Und das deutlich später als etwa die USA, die ihre Verträge mit dem deutschen Unternehmen deutlich früher abgeschlossen haben. In den USA soll bereits im Frühjahr genug Impfstoff für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stehen. Davon will ich gar nicht träumen in Deutschland, aber es wäre jetzt an der Zeit, so nachzuverhandeln, dass zumindest alle Risikogruppen schnellstmöglich geimpft werden können.