Grigorios Aggelidis

Neue Corona-Regeln werden auf dem Rücken von Familien ausgetragen

Das neue Jahr ist erst ein paar Tage alt und schon haben viele Familien das Gefühl wieder im März 2020 gelandet zu sein. Entgegen aller Versprechen werden Familien in der Corona-Pandemie weiter belastet – das führt zur Überlastung von Eltern und raubt Kindern Lebenschancen.

Schulen und Kitas sind wieder geschlossen. Das heißt für die meisten Eltern neben den beruflichen Verpflichtungen erneut: Ständiges Spielen mit Kleinkindern, die sich meist nur kurz alleine beschäftigen können. Sind die Kinder älter und in der Schule, sind sie vielfach im Distanzunterricht. Der sieht aber in Deutschland auch im Januar 2021 oft noch so aus, dass die Lehrer Arbeitsblätter zur Verfügung stellen, die die Eltern dann ausdrucken und kontrollieren dürfen.

Auch nach neun Monaten hat sich an der Situation in Schulen kaum etwas verändert. Eltern sind darüber zu Recht verärgert. Als Freie Demokraten haben wir uns nicht nur für eine schnellere Digitalisierung stark gemacht, sondern auch zahlreiche Lösungen für pandemiefeste Schulen aufgezeigt: Luftfilter, mehr Räume, mehr Betreuungspersonal, Schnelltests für Lehrer und Erzieher. Nichts davon wurde über den Sommer angegangen. Aber spätestens jetzt wäre es Zeit, es noch umzusetzen. Schließlich wird uns die Pandemie trotz Impfung noch länger begleiten.

Stattdessen aber speist die Bundesregierung Eltern im Homeschooling-Wahnsinn mit einer vermeintlichen Lösung ab, die zwar ein Schritt in die richtige Richtung ist, aber kein umfassendes Konzept: Die Erhöhung der Kinderkrankentage. Für Eltern waren die letzten Tage ein Lotteriespiel. Klar ist aber schon jetzt, dass auch die zusätzlichen Krankentage nicht ausreichen. Deshalb habe ich schon vor einiger Zeit gefordert, die Höchstgrenze für Krankentage in der Pandemie auszusetzen. Und auch für Selbstständige und privat Versicherte brauchen wir eine Lösung.

Für viele Eltern bleibt dennoch die Doppel-Belastung von Kinderbetreuung und Homeoffice. Denn auch wenn Bundesfamilienministerin Giffey betont, dass beides zusammen nicht möglich ist, ist es vielfach Realität in Deutschland. Wer einmal versucht hat, eine Videokonferenz oder ein Kundengespräch mit einem Zweijährigen zuhause zu führen, weiß, dass das nicht geht. Ratschläge von anderen, man könne ja nachts arbeiten, lässt Eltern in diesen Tagen fassungslos zurück. Letztendlich zeigen sie, wie wenig viele – und auch die Bundesregierung – die Realität von Familien wirklich kennen. Und genau das wird zunehmend zum Problem für Familien.

Eine solche Unwissenheit zeigt sich auch bei den neu beschlossenen Kontaktregeln, die teilweise sinnvollerweise in einigen Bundesländern wieder für Kinder gelockert wurden. Vielfach bleibt es aber dabei: Eine weitere Person darf jeder Haushalt noch treffen. Für Kinder ist damit quasi ausgeschlossen, dass sie noch Gleichaltrige treffen können – und das über Wochen. Da hilft auch das Verständnis nicht, dass es Kinder „hart“ trifft. Kinder und ihre Eltern trifft es derzeit härter als je zuvor. Irland macht vor, wie man den Interessen von Familien Vorrang geben kann. Wir Freie Demokraten haben immer wieder betont, dass statt stetiger Grundrechtseinschränkungen ein besserer Schutz gefährdeter Gruppen essentiell ist. Damit könnte Kinder auch mehr Freiräume erhalten.

Klar ist, das Virus ist gefährlich und wir müssen Kontakte minimieren. Politisch Verantwortliche sollten ihre Maßnahmen aber mit Bedacht wählen und sie nicht auf dem Rücken der Schwächsten austragen. Deshalb brauchen Eltern eine Lohnfortzahlung auch dann, wenn grundsätzlich Homeoffice möglich ist. Auch das haben wir als Freie Demokraten bereits gefordert. Für uns sind alle Familien systemrelevant. Lassen wir es nicht zu, dass die Bundesregierung sie wieder zu Verlierern macht.