Grigorios Aggelidis

Zur Situation von Care-Leavern in Deutschland

Chancen und Hürden für Care-Leaver

Für die meisten jungen Menschen ist es eine besondere Zeit im Leben. Sie stehen vor spannenden Herausforderungen, weil sie nun ihr Leben selbst organisieren müssen: der Übergang von der Jugend ins Erwachsenenleben. Wo will man fortan leben, welchen Beruf will man ergreifen, fängt man an zu studieren, oder nutzt ein Gap-Year, will man einen Freiwilligendienst absolvieren, oder zur Bundeswehr gehen, welche Stromanbieter soll es für die eigene Wohnung sein? Während diese Fragen den meisten jungen Menschen in diesem Alter durch den Kopf gehen, ist die Situation für sogenannte Care Leaver viel schwieriger, da sie den Prozess der Selbstständigkeit aus staatlichen Erziehungshilfen, ohne den sozialen und finanziellen Rückhalt einer Familie, meistern müssen. Care Leaver, das sind junge Menschen (über 18 Jahre), die im Rahmen der Jugendhilfe entweder in der Heimerziehung, der Vollzeitpflege oder in stationären Wohnformen der Eingliederungshilfe leben oder gelebt haben.

Der 15. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung erkennt die besonderen Herausforderungen an, denen sich Care Leaver stellen müssen. Dort heißt es unter anderem, dass Care Leaver, "plötzlich vor der Herausforderung [stehen], dass sie neben den allgemeinen Erwartungen (...) zusätzlich einen Übergang bewältigen müssen, der in der sogenannten Normalbiografie strukturell nicht vorgesehen ist". Es gibt eine ganze Reihe an Beispielen für dieses absurde Vorgehen, mit denen man die Jugendlichen absolut demotiviert und ihnen Chancen verbaut. Zum Beispiel nimmt der Staat denjenigen, die Eigeninitiative zeigen und einen Schülerjob oder eine Ausbildung beginnen, 75 Prozent ihres Geldes weg. Das demotiviert und nimmt den Jugendlichen auch die Möglichkeit Rücklang für das spätere Leben aufzubauen. Ein weiteres Beispiel ist, dass sie auf die ihn zustehende Unterstützung beim Schritt in die Selbstständigkeit und der damit einhergehenden Ausstattung einer Wohnungen, monatelangwarten müssen. Darüber hinaus gibt es viele Berichte darüber, dass auch jungen Menschen, die die Fähigkeiten haben, ein Abitur zu machen, diesen Schritt häufig von Jugendämtern und Kommunen ausgeredet bekommen, damit sie nicht weiter ein Kostenfaktor für die Kommune sind. 

Wir haben die Aufgabe diesen jungen Menschen in dieser wichtigen Entwicklungsphase zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen, damit sie eigenständig, selbstbestimmt und erfolgreich durch das Leben gehen können. Mehrere Initiativen sollen das erreichen: Ein Antrag, mit dem wir verhindern wollten, dass der Staat den Jugendlichen 75 Prozent ihres Lohns wegnimmt. Außerdem habe ich mich mit den Regelungen im SGB VIII beschäftigt und den Leistungen, die als Unterstützung für Care Leaver gedacht sind. Damit diese Leistungen die Jugendlichen auch erreichen, haben wir der Bundesregierung eine Reihe von Fragen gestellt, um sie erstens auf notwendige Verbesserungen hinzuweisen und zweitens einen zusätzlichen weitergehenden Antrag durch unsere Fraktion vorzubereiten.

Weitere Initiativen:

Neben den Initiativen mit denen ich die Situation von Care Leavern in Deutschland verbessern möchte, habe ich auch die Bereiche Familie, Umwelt und Ehrenamt weiter bearbeitet. 

Einen Überblick über die Rückzahlungsforderungen im Rahmen des Elterngeldes habe ich mir durch eine Kleine Anfrage verschafft. Seit Anfang der Wahlperiode verspricht die Regierung eine Reform und Anpassung auf welche die Eltern allerdings immernoch warten. Auch mit die Situation der Alleinerziehenden habe ich mich befasst, die weiterhin nicht genug Unterstützung erhalten. Senioren sind leider anfällig für Betrüger die ihre Abhängigkeit ausnutzen wollen. Dieses Problem wird in anderen Ländern wie den USA oder in der Schweiz gezielt angegangen. Unsere Regierung scheint das allerdings zu ignorieren, wie eine Kleine Anfrage dazu ergeben hat. Es fehlen Statistiken, Studien und nicht zuletzt eine geeignete Strategie. Nur eines von vielen Feldern, an denen ich auch weiter mit ganzer Kraft arbeiten und Lösungen präsentieren möchte. Für das freiwillige und ehrenamtliche Engagement habe ich neben schriftlichen Einzelfragen, zwei kleine Anfragen (Datenschutz und Digitalisierung im Ehrenamt und Ehrenamt vereinfachen) und einen Antrag vorbereitet. Darüber hinaus plane ich für September einen großen Ehrenamtskongress, auf dem wir uns den wichtigsten Herausforderungen mit Experten aus Vereinen, Wissenschaft und weiteren Abgeordneten widmen werden.