Grigorios Aggelidis

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Familie ist die Basis unserer Gesellschaft und das Wichtigste für viele Menschen. Dies gilt auch und insbesondere für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht nur ihrer Arbeit sondern auch ihrer Familie gerecht werden wollen. Betriebliche Kinderbetreuung bietet dabei eine klassische Win-win-Situation. Einerseits gewinnen Unternehmen langfristig qualifizierte Fachkräfte, andererseits wissen Eltern ihre Kinder gut betreut und können so Beruf und Familie gut vereinbaren.

Im zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte für in Deutschland ansässige Unternehmen, ist Familienfreundlichkeit ein sehr wichtiges Thema.  Der derzeit vorherrschende Mangel an Erzieherinnen und Erziehern bedingt, dass die betrieblich organisierte Kinderbetreuung für Firmen an Bedeutung gewinnt. Sich für eine zuverlässige Betreuung der Kinder zu engagieren, ist eine Chance für Unternehmen gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur zu gewinnen, sondern auch längerfristig zu halten. Eltern werden entlastet indem ihnen die Organisation der Kinderbetreuung abgenommen wird und gerade junge Eltern können problemlos aus der Elternzeit wieder in den Beruf einsteigen.

Seit 2010 liegt die Zahl der Neugründungen von Betriebskindergärten bei ca. 50 pro Jahr - unabhängig von staatlichen Förderprogrammen. Die Unternehmen haben selber erkannt, wie wichtig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, um für Mitarbeiter attraktiv zu sein und Fachpersonal zu bekommen. Doch unterstützt werden sie dabei kaum. Im Gegenteil: der Bürokratiedschungel ist weiterhin enorm, es fehlt eine unabhängige Beratungsstelle, die die Unternehmen unterstützt und Leitfäden existieren nicht. Die vielen unterschiedlichen Vorschriften in den Bundesländern erschweren den Unternehmen die Gründung von Betriebskindergärten zusätzlich.

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf unsere Kleine Anfrage selber zugibt, dauert es von der Entscheidung zu einem Betriebskindergarten bis zur tatsächlichen Betreuung sehr lange - ja zu lange, wie mir Unternehmensvertreter berichten. Zudem heißt es aus dem Ministerium, dass die Einrichtung einer betrieblich unterstützten Kinderbetreuung ein hohes Maß an Engagement seitens der Unternehmen erfordert. Das bedeutet, die Probleme sind der Regierung also durchaus bekannt, sie bleibt aber untätig!

Unternehmen müssen endlich gezielt dabei unterstützt werden, wenn sie diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe der Kinderbetreuung übernehmen wollen - sie dürfen nicht durch komplizierte Vorgänge und Vorschriften in ihrem Engagement gebremst werden. Angesichts der Herausforderung für Familien Kinder und Beruf gut zu vereinbaren, des derzeitigen Mangels an Betreuungsangeboten einerseits und Fachkräften andererseits ist es wichtig für Eltern und Betriebe. "Denken wir neu" bedeutet in diesem Fall bürokratische Hindernisse müssen endlich abgebaut werden und vereinfachte und länderübergreifende Regelungen würden ein wichtiges Signal geben, weitere Betriebskindergärten zu gründen. Darüber hinaus muss es ein konkretes, einfaches Konzept geben, das es mehreren kleinen Unternehmen ermöglicht einen gemeinsamen Betriebskindergarten zu gründen. 

Die Unterstützung betrieblicher Kinderbetreuung seitens der Politik, erleichtert es Unternehmen im globalen Wettbewerb zu bestehen und ermöglicht Eltern eine gelungene Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

 

Aktuelle Initiativen und darüber hinaus

Die Fraktion hat meinen Antrag zur Verbesserung der Situation Alleinerziehender beschlossen. Mit diesem Antrag möchte ich die zunehmende Zahl von Ein-Eltern-Familien bei ihrer wichtigen Aufgabe unterstützen. Grundsätzlich gibt es nicht die typische Ein-Eltern-Familie. Die Herausforderungen und Bedarfe von Ein-Eltern-Familien sind sehr individuell. Fest steht jedoch, dass Alleinerziehende und damit auch ihre Kinder besonders häufig von Armut bedroht sind. Konkret fordere ich deshalb zum einen finanzielle Erleichterungen - sowohl steuerlich als auch zusätzliche monetäre Unterstützung. Zum anderen möchte ich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erheblich verbessern. Gerade für Alleinerziehende trägt eine umfangreiche Kinderbetreuung zur Existenzsicherung und Selbstständigkeit bei, aber auch die Möglichkeit zum Home Office kann den Alltag erleichtern. Ein-Eltern-Familien stellen einen großen Teil der heutigen familiären Vielfalt dar und bedürfen gezielter Unterstützung durch die Politik. 

 

Rückblick - Unser Ehrenamts-Fachkongress Ende September unter dem Motto "Engagement in unserer Gesellschaft" war ein voller Erfolg. Zahlreiche Experten aus Vereinen und der Wissenschaft sind meiner Einladung nach Berlin gefolgt und haben mit mir und ein paar meiner Abgeordnetenkollegen darüber diskutiert, wie man das Ehrenamt entlasten und unterstützen kann. Im Zentrum der Diskussion standen dabei vier Schwerpunktthemen:

  • Risikofaktor Bürokratie? - Dem Ehrenamt wieder mehr Freiraum geben
  • Motivation und Anerkennung vs. Demotivation
  • Nachwuchssicherung im Ehrenamt
  • Ehrenamt zwischen Stadt und Land

Durch den Austausch konnten wir auch neue interessante und wichtige Einblicke in die gemeinnützige Arbeit gewinnen, die unser Leben in Deutschland tagtäglich bereichert. Gemeinsam mit Engagierten wurde erarbeitet, wo im täglichen  praktischen Einsatz der Schuh drückt und durch welche Maßnahmen wir das Bürgerschaftliche Engagement erleichtern können. Wir setzen uns aktuell intensiv mit den Ergebnissen der Veranstaltung auseinander und wollen daraus als Nächstes Lösungsansätze erarbeiten.

Ehrenamt übernimmt viele wichtige Aufgaben und ist der Kitt unserer Gesellschaft. Wir als Politik haben den Auftrag, das Ehrenamt zu unterstützen, zu ermutigen und zu fördern.