Grigorios Aggelidis

Respekt für Eltern darf nicht selektiv sein – Familien entlasten, Eltern zuhören

Das größte Problem des Kinderbonus ist, dass am Ende ein Großteil der Familien leer ausgehen werden. Natürlich ist es richtig, das Geld nicht mit der Gießkanne zu verteilen. Wenn aber gerade an die ein Signal gesendet werden soll, die in den vergangenen Wochen Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut gebracht haben, dann ist es unverständlich, dass gerade diese Familien über die Steuer den Kinderbonus wieder komplett zurückzahlen müssen. Eine Familie mit zwei Kindern profitiert schon ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von rund 90.000 Euro nicht mehr vom Kinderbonus. Das klingt erstmal viel, aber wenn beide Elternteile arbeiten, ist es das aber nicht. Schon bei einem Bruttoeinkommen von rund 3.300 Euro monatlich pro Elternteil, also etwa dem Verdienst von Redakteuren, Kunden- oder Personalreferenten, muss der Kinderbonus wieder über die Steuer komplett zurückgezahlt werden. Und damit nicht genug, im Grunde finanzieren sie durch ihre Tätigkeit den Kinderbonus für andere noch mit.

Auch meiner Sicht müssen Union und SPD hier dringend nachbessern. Alles andere wäre unfair. Der Respekt für Eltern darf nicht selektiv sein. Und er darf auch nicht einmalig sein. Deshalb muss die Große Koalition auch die Perspektiven von Familien grundsätzlich verbessern. Familien werden noch viele Wochen ohne die übliche Betreuung ihrer Kinder leben müssen. Vor allem Frauen werden diese Situation dann weiterhin neben ihrem Job auffangen und damit in ihrer Berufs- und Lebensplanung behindert. Homeoffice kann deshalb aus meiner Sicht nicht auf Dauer als zumutbare Betreuungsmöglichkeit angesehen werden. Einen entsprechenden Antrag für eine Änderung werde ich in den Bundestag einbringen.

Mit Blick auf einkommensschwache Familien muss zudem mehr getan werden. Um diese dauerhaft abzusichern, brauchen wir ein echtes Chancenpaket. Gerade Familien mit geringen Einkommen fehlt eine dauerhafte Perspektive und Unterstützung. 300 Euro Kinderbonus beheben ihre langfristige Situation nicht. Wir Liberale haben mit dem Kinderchancengeld und dem Chancenpaket einen guten Vorschlag auf den Tisch gelegt. Dabei liegt ein Schwerpunkt bei Bildung und Teilhabe als Chancenturbo für Kinder.

Aber natürlich brauchen alle Familien Perspektiven bei der Bildung ihrer Kinder. Die Ansätze im Konjunkturpaket sind richtig und wichtig. Wie mir aber immer wieder Eltern berichten, ist das längst nicht genug. Kitaausbau alleine reicht nicht, beklagen die Eltern. Am Ende müssen sich Bundes- und Landesregierung auch Gedanken über die dringend notwendige Fachkräftegewinnung machen. Und auch im schulischen Bereich reichen nicht weitere kleine Schritte bei der Digitalisierung. Gerade die vergangenen Monate haben deutlich gemacht, wie weit der Weg noch ist. Eltern drucken die Schulunterlagen ihrer Kinder selbst aus oder holen diese in der Schule ab. Oder aber es fehlt schlicht die Ausstattung in den Familien, um an digitalem Unterricht teilzunehmen. Hier muss mit Sieben-Meilenstiefeln vorwärts gegangen werden.

Alles in allem bleibt also auch der Kinderbonus hinter dem zurück, was Eltern wirklich entlasten würde. Das liegt aus meiner Sicht auch daran, dass der Elternwille in der Politik viel zu kurz kommt. Viele Eltern haben vor dem Beschluss des Koalitionsausschuss deutlich gemacht, dass sie Perspektiven brauchen, aber keine Einmalzahlung, die ihre Kinder dann irgendwann zurückzahlen müssen. Gehört wurden sie von der Großen Koalition nicht. Wir hören Eltern gerne zu und nehmen sie ernst.