Grigorios Aggelidis

Alleinerziehende nicht alleine lassen

Alleinerziehende müssen Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen und gelangen so häufig in finanzielle Risiken. Ihre Armutsgefährdungsquote ist folglich laut Statistik auch dreimal höher als bei Familien mit zwei Elternteilen. In der politischen Debatte wird das Problem von allen Parteien erkannt. Doch wirkliche Hilfen bietet kaum jemand an. Mit einem Antrag will ich das ändern: Mit finanziellen Entlastungen und Kinderbetreuungsangeboten, die Alleinerziehende unterstützen.

Dass Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen ist kein neues Phänomen. Aber in den letzten 20 Jahren hat die Zahl der Alleinerziehenden mit minderjährigen Kindern in Deutschland stetig zugenommen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Eltern. Einerseits sollen sie flexible Arbeitnehmer sein, andererseits wird von ihnen erwartet, ihre Mutter- bzw. Vaterrolle ernst zu nehmen und für ihre Kinder da zu sein. Das ist schon für Frauen und Männer, die sich die Elternrolle teilen, ein heikler Spagat - für Alleinerziehende wird es zum Drahtseilakt.

Denn, wenn Betreuungszeiten für die Kinder nicht ausreichend sind, kann das für Alleinerziehende schnell existenzsbedrohend werden. Für uns Freie Demokraten liegt der Schlüssel zur Unterstützung deshalb immer auch bei der Sicherung der dauerhaften Erwerbstätigkeit von Alleinerziehenden. Bislang sind die Öffnungszeiten von Kitas jedoch oft nicht mit Schicht- sowie Sonn- und Feiertagsarbeit vereinbar. Nur durch eine gesicherte Kinderbetreuung auch zu Randzeiten, können Alleinerziehende aber gesichert ihrer Arbeit nachgehen - der wichtigste Faktor, um Kinderarmut vorzubeugen. Deshalb fordere ich, dass die Öffnungszeiten von Kindertagesstätten erweitert werden, so dass auch Schichtdienst möglich ist.

Betreuung alleine reicht aber nicht. Wegen der höheren finanziellen Belastung durch den Unterhalt für sich und das Kind, habe ich zudem einen Quartalsbonus in der Höhe des Kindergeldes als finanzielle Entlastung für Alleinerziehende vorgeschlagen. Zudem sieht der Antrag vor, die Steuerfreibeträge zu erhöhen und wie die Grundfreibeträge zu dynamisieren. Der Steuerfreibetrag soll auch gewährleistet werden, wenn pflegende Angehörige im Haushalt wohnen. Bislang gelten Alleinerziehende nämlich nicht mehr als allein erziehend, wenn sie Angehörige zur Pflege bei sich aufnehmen. Die Bestrafung dieser Doppelbelastung muss endlich beendet werden. Alleinerziehende müssen umfassend unterstützt werden - auch, um Kinderarmut zu verhindern.

Natürlich habe ich mich in den letzten Wochen aber auch weiter mit unserem Kinderchancengeld beschäftigt und das Kinderchancenportal auf den Weg gebracht. Mit diesem Portal werden alle Förderangebote, die wir im Rahmen des Chancenpaketes im Kinderchancengeld gebündelt haben, digital zugänglich. Kinder und Jugendliche können dann freigeschaltete Leistungen, wie etwa Schulessen, Nachhilfeunterricht, den Sportverein, Sprach- und Leseförderung oder einen Theaterbesuch, einfach am Computer oder Tablet auswählen - ohne Stigmatisierungen und umständliches Einreichen von Rechnungen. Neben der unkomplizierten Nutzung kann das Portal eine Vielfalt und Individualität der Angebote sichern.